Lokalisation des „Wächterlymphknotens“ (sentinel lymph node)
Hintergrund: Bei einem neu entstandenen Tumor der Brust können Tumorzellen Anschluss an das Lymphsystem gewinnen und Absiedlungen, sog. Metastasen, in Lymphknotenstationen bilden. In der Vergangenheit wurde daher im Rahmen der operativen Entfernung des Tumors eine ausgedehnte Entfernung der Lymphknoten der Achselhöhle (sog. Axilla) durchgeführt. Komplikationen im Schulter-Arm-Bereich wie beispielsweise eine Schwellung des Armes durch gestörten Lymphabstrom der betroffenen Seite traten häufiger auf. Darüber hinaus konnte in mehreren Studien gezeigt werden, dass eine großzügige Entfernung der Lymphknoten keinen positiven Effekt auf das Gesamtüberleben der Patientinnen hat.
Ziel dieser Untersuchung ist es nun, den ersten Lymphknoten im jeweiligen Abstromgebiet des Tumors zu lokalisieren und gezielt zu entfernen. Eine ausgedehnte Operation der Axilla könnte so den Patientinnen erspart werden, wenn sich in diesem Lymphknoten keine Absiedelungen des Tumors nachweisen lassen. Vorraussetzungen hierfür sind eine Tumorgröße unter 2 cm, keine Voroperation der Brust sowie kein klinisch gesicherter Tumorbefall der Lymphknoten (da damit diese Untersuchung überflüssig wäre).
Ablauf: Vor der eigentlichen Operation wird der Tumor mit einer geringen Menge einer radioaktiven Substanz (99mTc Nanocoll) umspritzt. Hierfür werden kleine radioaktive Mengen unter die Haut eingebracht, was nur wenig schmerzhaft ist. Danach wird dieses Gebiet über einige Minuten manuell massiert. Dadurch kann die radioaktive Substanz leichter Anschluss an ein Lymphgefäß gewinnen und sich umschrieben in einem Lymphknoten anreichern. Im Anschluss daran nimmt man die von den Lymphbahnen ausgesandte Strahlung mit einer speziellen Kamera (Gammakamera) auf und kann so den Weg der radioaktiv markierte lymphgängigen Substanz vom Tumor hin zu den Lymphknoten verfolgen und bildlich darstellen. Diese Aufnahmen werden im Liegen durchgeführt und dauern ca. 30-60 Minuten. Bei der Operation kann nun der Operateur mit einer speziell hierfür angefertigten Handsonde (vergleichbar einem Geigerzähler) diesen radioaktiv markierten Lymphknoten auffinden und gezielt entfernen. Komplikationen seitens dieser Technik sind nicht bekannt.